November und December 2011
An die beiden Monate kann ich mich wirklich nicht mehr genau erinnern. Ich nehme an wir waren wie ueblich damit beschaeftigt alles fuer den Winter wetterfest zu machen. Die Motorraeder wurden eingemottet. Der Wohnwagen mit Antifreeze gefuellt und in eine graue Regenfeste Plane eingepackt. David hatte sein Boot bei uns abgestellt und genutzt hat er es kaum bisher. Ich selbst hatte keine Zeit es mal auszuprobieren. Da misste also auch alles winterfest gemacht werden. Der ein oder andere Sturm zog ueber Washington hinweg und wir hatten wie ueblich jede Menge Aeste auf unserer Wiese. Der Rasenmaeher wurde mehr zum "Blaetteraufsammeln" als zum maehen benutzt und nachdem mit ein wenig Mutterboden und Grassamen auch die letzten Spuren der abgeholzten Riesen Fichte verschwunden war sah der Garten wieder passabel aus.
Die Skipaesse hatten wir auch schon bestellt und wir hofften auf fruehen Schneefall, so dass wir bald ski fahren gehen konnten. Noch vor Thanksgiving hatten wir unsere Skiausruestung abgeholt. Elli hatte nagelneue Ski bekommen und auch Vivien hatte ein super schnittiges Bret bekommen. Dazu noch neue Ski-Jeans wie sie der Sean White zur Olympiade anhatte und zu Weihnachten noch eine coole Jacke. Da kann sie sich auf der Piste mit sehen lassen ohne sich bei den anderen Kids zu blamieren (Ja da geht es jetzt drum).
Weihnachtsgeschenke kaufen war auch so ein Ding dieses Jahr. Am Black Friday (Nach Thanksgiving) hatte ich dann doch mal versucht das ein oder andere in den Geschaften zu besonders guten Rabatten zu besorgen bin aber morgens schon zu Spaet gewesen. Die absoluten Preisknaller kann man wirklich nur "Nachts" kaufen wenn die Geschaefte aufmachen. Dazu ist mir aber das Wochenende wirklich zu schade. Thanksgiving hatten wir Nadja, Marcus, Doris, Gerd und Franziska zu Gast und da haben wir natuerlich genug gegessen und getrunken. Mitten in der Nacht wieder aufstehen und einkaufen zu fahren ist wirklich nicht mein Ding.
Im November musste ich mich entscheiden was ich in Bezug auf meine Arbeit als naechstes machen will. Unsere Abteilung wurde ja zuvor etwas umgestellt und mit dem Erfolg meines letzten Projektes fragte mich mein VicePresident ob ich mir vorstellen koenne die Projektleitung fuer die "Package Pfad Checkout Migration" zu uebernehmen. Eigentlich liegt mir "pures' Projekt Management gar nicht so. Ich mag es lieber wenn ich an bestimmten Funktionen mitbestimmen und gestalten darf und jeden Tag mit unseren Entwickler und Testern in Kontakt sein kann. Ausserdem hatte ich gehofft die zweite und dritte Phase des internationalen Rollouts leiten zu koennen. Die "Anderen Flug Aussuchen" Seite ist selten besucht aber unglaublich umsatz stark, und so hatte ich mir gewuenscht ich koennte mit ein paar Verbesserungen einen grossen Effekt auf unsere Kunden und unsere Umsatz Situation erwirken.
Statt dessen sollte ich nun einen Teil der Arbeit an meine Kollegin abgeben und eine neue Kollegin einstellen und einarbeiten damit sie dann mein Team und meinen Platz uebernehmen kann. Parallel dazu musste ich mich in den Checkout Pfad einarbeiten und mir ueberlegen wie ich ein Projekt dieser Groessenordnung leiten koennte. Einige aehnliche Projekte hatten meine Freunde Emil und Ben schon geleitet und keiner war damit so richtig Gluecklich geworden. Gleichwohl hat es sich fuer Emil ausgezahlt weil er letztlich befoerdert wurde und nun Direktor Program Management ist. Ben hingegen ist noch mitten drin und hat einiges an Kritik zu ertragen. Das Projekt ist weit hinter dem Zeitplan hinterher und wenngleich erfolgreich unterwegs weitaus kostspieliger als gehofft. Fuer Ben kann das ganze also auch nach hinten losgehen.
Sollte ich nun einen Job machen den ich nicht mag, der kompliziert ist und mit einigem Risiko verbunden, bei dem ich zwar neue Dinge lernen werde die ich aber eigentlich nicht wirklich fuer erstrebenswert halte und brauche. Ein Job bei dem ich mir einige "Feinde" machen werde weil ich in eine sehr schwierige Lage geraten werde und wo mit Verhandlungsgeschick nicht immer alles zu loesen ist. Ein Projekt das so kompliziert und gross ist (in Bezug auf die Anzahl der Teams und Mitarbeiter die daran beteiligt sind) wie kein anderes Projekt bei "3XP3D1A" zuvor? So wichtig dass ich meine woechentlichen Status berichte auch zu Dara schicken muss und das nicht "daneben gehen darf" weil es direkte Auswirkungen auf den Aktienpreis haben wird. So wichtig dass jeder Direktor und jeder VP mir helfen will damit er nicht schuld daran ist wenn es schief geht. Bei dem jeder kleine Fehler den ich mache sofort an die grosse Glocke gehangen wird. Ein Projekt bei dem ich kein eigenes Projektteam habe das mich im Zweifel retten kann wenn ich einen Fehler mache und bei dem ich keine Chance habe neue Freunde zu machen nur Rivalen. ----- Oder sollte ich ablehnen und stattdessen darauf bestehen meinen Job zu vollenden, das Projekt vollstaendig ausrollen, neue Funktionen oben drauf bauen und mit staendigem Erfolg stetige Verbesserung herbeifuehren um endlich der Welt zu beweisen dass Expedia die besten Deals der Welt hat und dass es nirgends einen besseren Platz im Internet gibt und Reise Packages zu buchen. Erfolg wuerde ich bestimmt haben, neues hinzulernen wuerde ich nur minimal.
Entschieden habe ich mich dann dafuer das Angebot anzunehmen. Seit Anfang November bin ich also damit beschaeftigt ein Projekt aus dem Boden zu stampfen bei dem jeder im Unternehmen mit ziehen muss, keiner jedoch richtig Zeit hat, niemand genau sagen kann welche Anforderungen erfuellt werden muessen, kaum Dokumentation verfuegbar ist und niemand so richtig bei der Sache ist. Die beiden Projektleiterinnern hatten bis Anfang Dezember genug Kontrolle ueber mein Projekt und unser Team uebernommen dass ich mich darum kaum noch kuemmern musste. Als klar war dass ich aber im letzten jahr wirklich nichts weltbewegendes mehr erreichen konnte hab ich schliesslich Urlaub eingereicht.
Besonders schlimm hat es uns Anfang Dezember getroffen als unsere beste Freundin Alexandra ploetzlich an einem geplatzten Hirnaneurisma verstorben ist. Nach einer kurzen Woche des Ueberlebenskampfen der uns allen ewig vor kam hatte sie letztlich den Kampf verloren und wir alle mussten uns daran gewoehnen dass die Welt nicht mehr so war wie zuvor. Viele Stunden haben wir am Telefon verbracht und gehofft dass es Marc, Mike, Eve-Zoe oder Anne-Mary irgendwie helfen wird. Letztlich konnten wir doch nur wenig aus der Ferne hinzusteuern. Uns selbst hat das viel zu Denken gegeben und den Kindern mussten wir viel Trost spenden, viele Fragen beantworten und uns ueberlegen ob unser Leben wie wir es im Moment leben richtig ist. Ein schwieriges Ende fuer ein sonst so erfolgreiches und schoenes Jahr.
Vom 16. Dez bis 10 Januar hatte ich Frei und wir haben die Tage mit Urlaub zu Hause genossen. - - An den Wochenenden hatte ich endlich mal Zeit Football zu schauen und dann sind wir oft auch Ski gefahren. Mal abschalten und nicht mehr an Arbeit denken hat gut funktioniert. Irgendwie hatte ich gedacht wird das neue Jahr schon irgendwie wieder gut starten und bis zum September (Ziel wie immer Ende des dritten Quartals, ob unser Business jemals originellere Daten waehlen kann) war ja noch jede Menge Zeit.
Weihnachten war schoen und gemuetlich. Die Kids hatten am Ende wieder viel zu viele Geschenke und oft hatten wir uns ueberlegt ob das wirklich richtig war, aber fuer die viele Arbeit sollten sie doch auch belohnt werden. Vivien hatte es wieder auf die Honor Student List geschafft mit einer glatten eins auf dem Zeugnis. Fabienne hatte mit dem Mathe Nachhilfe angefangen und sich sehr verbessert. Letztlich alles verdient und Elli und ich hatten auch unseren Frieden wenn wir sehen konnten wie sehr sich die beiden gefreut haben. Ich hatte das neueste Buch von Christopher Paolini (Teil IV der Eragon Saga) bekommen und konnte mal so richtig lange lesen und einfach nur rum haengen. Schade dass die Geschichte der Drachenreiter nun am Ende ist.
Sylvester haben wir dann wieder wie schon so oft mit Ski fahren verbunden. Die Lifte in Snoqualmie sind nicht so ueberlaufen, dass wetter war gut und so sind wir 3 Stunden lang ski gefahren bis alle muede waren. Dann nach Hause und traditionelles FonDue vorbereitet Das hatten wir so lange nicht mehr dass die Kids sich nicht mehr erinnern konnten wie das geht. Prima Tradition. Den Rest des Abends haben wir dann auf der Couch verbracht und fast Sylvester verschlafen. Man waren wir froh dass das Jahr zu Ende war. |